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Wie soll man einen Richter im Gerichtssaal ansprechen?

Wie spricht man einen Richter an?

Das Gericht ist eine staatliche Institution, in der ein Richter zu den höchsten Persönlichkeiten im deutschen Staatssystem gehört. Dieser hohen Stellung entsprechend müssen Sie einen Richter unbedingt in einer angemessenen Form ansprechen. Eine unangemessene Ansprache kann unmittelbar von dem Richter mit einer Strafe belegt werden. Zumindest werden Sie jedoch von diesem darauf hingewiesen, dass eine bestimmte Anrede erwünscht ist.

Welche Anreden sind unerwünscht und wie werden Vergehen geahndet?

Bei einigen Anreden ist es offensichtlich, dass sie einem Richter gegenüber völlig unangemessen sind und Sie solche unterlassen sollten. Neben beleidigenden Formulierungen sind auch informelle Anreden zu unterlassen, selbst wenn sie im Alltag gegenüber anderen Personen durchaus als locker höflich angesehen werden. So sollten Sie es beispielsweise strikt unterlassen einen Richter mit „du“ anzusprechen.

In solchen Fällen kann der Richter sie darauf hinweisen, dass die Anrede unangemessen ist und Sie diese zu unterlassen haben. Bei einer erneuten unangemessenen Anrede bleibt es dem Richter überlassen Sie dafür zu bestrafen. Diese Strafen können sich auf eine zu zahlende Geldstrafe beschränken. Es können jedoch auch andere Formen gewählt werden. Sie könnten zu Sozialstunden verurteilt werden und im schlimmsten Fall zu einer Haftstrafe.

Die Freiheitsstrafe kann bis zu einem Jahr lang angesetzt werden. Dies liegt auch daran, dass mit der Respektlosigkeit dem Richter gegenüber auch Respektlosigkeit dem Gericht und schließlich dem Staat ansich entgegen gebracht wird und der Staat ein solches Verhalten nicht dulden kann und will.

Den Richter als Richter ansprechen – korrekt und trotzdem problematisch

Einen Richter können Sie durchaus mit Herr Richter oder Frau Richterin ansprechen. Diese Anrede ist in ausreichendem Maße respektvoll und kann ohne Bedenken genutzt werden – beinahe zumindest. Bei männlichen Richtern besteht ein Problem mit der Doppeldeutigkeit dieser Anrede. Richter ist bekanntermaßen nicht nur die Berufsbezeichnung und eine mögliche korrekte Anrede, sondern auch ein weit verbreiteter Nachname in Deutschland.

Für den, wenn auch relativ unwahrscheinlichen, Fall, dass Sie einem Richter begegnen, welcher mit Nachnamen zufälligerweise auch tatsächlich Richter heißt, würden Sie den Mann unwissentlich mit seinem Nachnamen ansprechen. Dies ist selbstverständlich wieder als unangemessen anzusehen und würde von einem Richter nicht geduldet werden. Es gibt deshalb Richter, welche die Anrede mit Herr oder auch Frau Richter grundsätzlicht ablehnen und Sie darauf hinweisen würden eine andere Anrede zu nutzen.

Wie spricht man einen Richter an? – Die korrekten Formen

Nachdem Sie nun die üblichen falschen Ansprachen kennen, bleiben nur noch wenige korrekte Varianten übrig. Als Leiter eines Prozesses ist es durchaus angebracht einen Richter entsprechend dieser Funktion mit Herr Vorsitzender beziehungsweise Frau vorsitzende anzusprechen.

Dies wird von jedem Richter ohne Beanstandung als angemessene Anrede akzeptiert und gerne gehört werden. Es gibt jedoch auch Verhandlungen, bei denen mehrere Richter im Gerichtssaal anwesend sind. Vor allem wenn Sie in einem solchen Fall nicht einen einzelnen Richter, sondern alle anwesenden Richter als Gesamtheit ansprechen wollen, dann ist die Anrede mit „Hohes Gericht“ die beste Wahl.

Auch diese Anrede deutet auf die Funktion des Richters beziehungsweise aller anwesenden Richter hin und wird entsprechend gerne gehört werden.

Neumodische Alternative: Euer Ehren

Durch das Fernsehen ist eine weitere Anrede, nämlich „Euer Ehren„, ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Diese Anrede stammt aus den USA beziehungsweise der deutschen Synchronisation von Filmen, wo die Anrede als „Your Honor“ angemessen ist. In Deutschland bürgert sie sich langsam ein und kann, muss jedoch nicht vom Richter akzeptiert werden.

Mai 16, 2017 | By | Reply More